Bericht von Walter

Eduar Glogger hatte in seiner umfangreichen Bildersammlung zum Modellflug ein sehr schönes Bild aus den 50ern von Karl Weinfurter mit einer Electra. Karl hat hier natürlich seine Motorradhaube auf, sogar die Motorradbrille hat er nur hochgeschoben. Leider ist sein Motorrad, eine DKW 125 nicht mit auf dem Bild. In der Hand hält er eine „Titan-Tankflasche“ mit dem notwendigen Dieseltreibstoff für den Motor. Karl liest sicher gerade ab, wieviel ccm er tanken möchte, denn es gab ja keine Gasanlenkung und der Motor lief immer auf Vollgas, bis der Sprit zuende ging. Im Hintergrund steht der Sender, wahrscheinlich ein Rim Boss mit Kabel und Taster.

Karl Weinfurter (c) Eduard Glogger

Vor über einem halben Jahrhundert, in den 50er Jahren, trafen sich an den Wochenenden die Modellflieger zwischen Krumbach und Deisenhausen auf den Wiesen beim Egathof. Das erste ferngesteuerte Motormodell, das dort geflogen ist, war die Electra von Graupner.

 

Electra-Prospekt



Graupner hatte damals eine Werkstoffpackung von diesem Modell.

 

Graupner Werkstoffpackung

 

Electra Bausatz

Karl Weinfurter, Erwin Pfeuffer und Dieter Stimmelmayr hatten eine Electra. Besonders gut kann ich mich noch an Karl Weinfurter erinnern. Er kam mit einer 125er DKW, auf dem Sozius seine Frau, die unter den Armen den Rumpf, die Flächen und in einem Rucksack den großen Sender (Standard 10 oder 20) hatte. Leider habe ich kein Foto davon, denn es war wirklich sehenswert: Karl behielt seine Motorradlederhaube beim Fliegen auf, der Sender wurde auf das Motorrad gestellt und die Riesenantenne (1,7m lang) ausgefahren. Gesteuert wurde über ein langes Kabel mit einem Druckknopf.

Fernsteuerung

Statt eines Servos war ein Schaltstern eingebaut, der über einen gedrillten Gummi angetrieben war. Karl schaffte es, das Modell sicher zu fliegen und auch nahe am Startpunkt wieder zu landen. Man bedenke, dass das Höhenruder und das Gas vom Motor nicht angesteuert waren. Nur über das Seitenruder wurde die Electra gelenkt und das auch noch mit jeweils Vollausschlägen in der zwangsläufigen Reihenfolge links-geradeaus-rechts. Eine erstaunliche Leistung das Modell unter diesen Bedingungen zu beherrschen. Abgesehen von der Unzuverlässigkeit und den technischen Problemen der Fernsteuerung.

Rudermaschine

Über das Internet konnte ich einen Modellflieger finden, der mir einen Plan seiner Electra zur Verfügung stellte. Mit großer Freude, viel Balsastaub und Spannlackgeruch habe ich mir eine Electra gebaut und damit einen alten Wunsch erfüllt. Entgegen dem Bauplan habe ich das Modell mit einer Höhenruderanlenkung versehen und einen Elektromotor eingebaut. Eigentlich müsste da ein Taifun Dieselmotor rein, aber erstens wäre dann keine Gasanlenkung vorhanden und zweitens eine Sauerei mit Rizinusöl am Modell. Diesen kleinen Stilbruch habe ich in Kauf genommen.

Der Erstflug verlief problemlos. Ich musste ja keinen Handstart machen, da das Modell ein Dreibeinfahrwerk hat und unsere Startbahn geteert ist. Nach dem Start stieg das Modell stark weg, was ja aufgrund des tragenden Profils logisch ist. Der Motor ist zwar mit einem großen Sturz eingebaut, aber das allein gleicht das starke Wegsteigen offensichtlich nicht aus.

 

Da war es natürlich gut, dass ich dies durch die vorhandene Höhenruder- und Gasanlenkung ausgleichen konnte. Wie muss das gewesen sein, als damals der Motor nur Vollgas lief und ein Ausgleich durch das Höhenruder nicht möglich war! Auf jeden Fall fliegt das Modell prima und macht großen Spass. Bei starkem Wind ist die Elektra jedoch durch die großen Seitenflächen schwierig zu steuern. Ist der Wind schwächer, können herrlich langsame Landeanflüge und Dreibeinlandungen gemacht werden.

Ein Traum für einen Oldie mit einem Oldie!