Die Abteilung Modellflugsport im MLV Krumbach e.V. wird seit März 2012 von Gerhard Zimmermann und Reinhard Micheler geleitet.

Chronik

Es war im Sommer 1951, das Segelfliegen in Deutschland war nach dem Krieg wieder erlaubt, als sich in Krumbach der Mittelschwäbische Luftsportverein gründete. Nur 2 Jahre später, im Frühjahr 1953, organisierte sich unter der Leitung des 1. Vorstands Ludwig Ost und Jakob Bader eine Jugendgruppe, die sich mit Modellbau beschäftigte, gedacht als Vorstufe für den manntragenden Segelflug. In wechselnden Bastelräumen entstanden Modelle nach Plänen aus der Vorkriegszeit. Sperrholz lieferten örtliche Schreinereien aus Resten, die beim Bau von Teilen von Wehrmachtsflugzeugen übriggeblieben waren. Geflogen wurde vornehmlich von den Hängen und auf den Wiesen um Krumbach.

Großsegler vermutlich von Erwin Pfeuffer (sen.)

Dass Modellflugsport schon in den 30er Jahren in der Gegend betrieben wurde dokumentiert eindrucksvoll ein Pokal aus dem Jahre 1936, der in Vereinsbesitz ist. Bezeichnet wurde der Pokal mit "Wanderpreis des D.L.V. für Flugmodelle". Ausgeflogen wurde die Trophäe offensichtlich nur einmal, auf dem vorgesehenen Gravurplatz befindet sich nur ein Eintrag: "Stützpunkt Krumbach 1. Sieger 1936 in Thannhausen".
Nach dem ersten Jugendleiter, Jakob Bader, folgten in kurzen Abständen mehrere Personen. Hans Kracklauer führte die Abteilung bis 1958 recht erfolgreich. Bereits in der Hochzeit der Freifliegerei, Mitte bis Ende der 50er Jahre erzielten Mitglieder des MLV ausgezeichnete sportliche Erfolge -Schwäbische Meister, erfolgreiche Teilnahme an Bayerischen und Deutschen Meisterschaften führten die Mittelschwaben bis nach Saarbrücken. Mit riesigen Schritten eroberte nun die Funksteuerung den Modellflugsport. Mit abenteuerlichen Funkgerätschaften wurde hauptsächlich auf dem früheren Flugplatz in Krumbach beim Egathof geflogen.
Im Herbst 1958 wurde Eduard Glogger mit der Führung der Modellflieger beauftragt, er war bis 2012 im Amt. Als Stellvertreter fungierte ab 1959 Helmut Schöfmann, danach Werner Blum. Auf ihn folgte 1979 Horst Losert, der als stellvertretender Abteilungsleiter ebenfalls bis 2012 im Amt war. Seit 2012 wird die Abteilung von Gerhard Zimmermann und seinem Stellvertreter Reinhard Micheler geleitet. Von Erich Baumann übernahm Ende der 60er Jahre Jörg Dirr die Kassenverwaltung der Abteilung, darauf folgte Helmut Gut. Seit 2016 verwaltet Martin Glogger die Finanzen der Modellflieger.
Um einen ständigen, uneingeschränkten Flugbetrieb zu ermöglichen erwarb die Abteilung in Thannhausen, südlich des sich dort angesiedelten Segelfluglatzes, eine Wiese auf der bereits im September 1960 mit dem Bau einer Asphaltstart- und Landebahn von 8 x 80 Metern begonnen wurde. Im Mai 1961 erfolgte die Eröffnung, wir hatten die zweite Bahn dieser Art in Bayern.

Flugbetrieb 1972

Flugbetrieb 1972 durch die Gäste aus der Schweiz

Mit Ausstellungen in kleinen Gasthaussälen begann eine intensive Öffentlichkeitsarbeit. Bei einer Ausstellung im Frühjahr 1962 zeigte unser Pionier der Großfliegerei, Erwin Pfeuffer, einem staunenden Publikum einen funkferngesteuerten Großsegler mit 4 Meter Spannweite. Im gleichen Jahr waren wir Ausrichter der ersten Schwäbischen Meisterschaften im Motorkunstflug. Im Mai 1964 fanden bei uns die Bayerischen Meisterschaften für ferngesteuerte Motor- und Segelflugmodelle statt. Aufgrund der Startbahn entwickelte sich unser Platz zu einem Modellflugmittelpunkt von dem viele Impulse weit in den bayerischen und angrenzenden württembergischen Raum ausgingen. Durch gute Kontakte zum Kommando des damaligen NATO-Flugplatzes Leipheim konnten wir auf dem Gelände Motorflugmeisterschaften mit vielen Zuschauern ausfliegen. An zahlreichen Wochenenden stand uns dieser Platz auch für normalen Vereinsbetrieb zur Verfügung. So bereiteten wir unsere Modelle in den Sheltern neben Fiat G91 Düsenjägern zum Start vor. Vom Dach der Shelter starteten Motorsegler zu Runden über dem Militärplatz.

Warbirdszene 1974

Hoher Besuch von Bgm. Georg Winkler

In jährlichem Wechsel folgten Ausstellungen im Stadtsaal in Krumbach mit ersten Modellhubschraubervorführungen im Freigelände und zum Teil spektakuläre Modellflugtage auf dem Flugplatz in Thannhausen. Die Veranstaltungen waren Publikumsmagnete mit traumhaften Besucherzahlen. Ab 1971 wurden die Amateurfunker in unsere Ausstellungen mit einbezogen.


Heli fliegen war 1974 eine echte Herausforderung, es gab verglichen mit heute keine oder kaum Unterstützung durch Elektronik. Das führte natürlich zu dem einen oder anderen Ausfall, der zu verkraften war.



Damals wurde aber auch die heiße Entsorgung noch ab und zu praktiziert.



Sehr aktiv war die Abteilung bei der Durchführung der Nachwuchswettbewerbe "der kleine UHU". In den ersten Jahren - 1958 bis etwa 1965 - noch in Verbindung mit Lehrern in Volksschulen. Hervorragende Ergebnisse wurden in den 80er und 90er Jahren erflogen. Joachim Böhringer, Martin und Roland Glogger und Dominik Hufnagl errangen Landessiege, belegten bei den Bundesausscheidungen mehrfach Plätze zwischen 2 und 5, im Freiflug wie auch im RC- und Elektroflug. 1993 feierte der Verein mit einem Festakt und einer Modellausstellung im Rahmen der Krumbacher Festwoche sein 40-jähriges Bestehen.
Von Anfang an hatte der sportliche Modellflug im MLV einen großen Stellenwert. Absolute Spitzenleistungen erflog Walter Kuse beim Motorkunstflug mit Großmodellen. Beste Ergebnisse waren in den Jahren 1986 und 1990 je ein dritter Platz bei Deutschen Meisterschaften. 1997 war für den Verein der bisherige sportliche Höhepunkt - Roland Glogger wurde Deutscher Meister bei naturähnlichen Großsegelflugmodellen. Vereinsmeisterschaften im Segel-, Motor-, und Elektroflug haben im Verein lange Tradition.

Im 40. Jubiläumsjahr fliegen wir unseren 24. überregionalen Segelflugwettbewerb um den Mindelpokal und den 11. Elektro-Segelflugwettbewerb aus. Im 60. Jubiläumsjahr (2013) gibt es die überregionalen Wettbewerbe immer noch, den Elektro-Segelflugwettbewerb mittlerweile in der 21. Auflage und den Wettbewerb um den Mindelpokal in der 34. Auflage. Dazu gekommen ist 2008 der Schwabenpokal, ein Motorkunstflug Wettbewerb der mit viel Engagement von Walter Kuse ausgerichtet wird und mittlerweile Teilnehmer aus ganz Deutschland begeistert. 2013 haben wir auf unserem Platz für den DMFV die Deutsche Meisterschaft für Großmodelle ausgerichtet.
In den langen Jahren sind auch internationale Freundschaften entstanden. Seit 1972 verbindet eine intensive Beziehung unseren Verein mit der Modellfluggruppe im schweizerischen Davos. Jedes Jahr sind die "Davoser" eine Woche Gäste auf unserem Modellflugplatz, im Herbst fliegen wir in Davos um den Weißfluh-Cup.
Im Jahr 1977 bekam die Modellflugstartbahn einen neuen Teerbelag. Eine Grundsanierung wurde im Jahr 2000 durchgeführt. Die Aufenthalts- und Vorbereitungsfläche wurde um rund 1.000 qm erweitert. Damit sichert der Verein langfristig den Bestand eines herrlichen Modellfluggeländes. 2012 wurde die westliche Zufahrt auf unser Gelände befestigt, 2014 konnten wir die angrenzende Wiese südlich der Landebahn pachten.

 Vorbereitungsraum früher: zwischen Misthaufen und Acker  Vorbereitungsraum 2016

 

Der Rückblick wäre unvollständig, wenn nicht auch an die vielen guten Geister hinter den Kulissen gedacht würde. Allen voran die Frauen der Modellpiloten, hier ganz besonders die Frauen der Abteilungsführung. Dank den Städten Thannhausen und Krumbach die für uns immer ein offenes Ohr hatten. Dank an die örtliche Presse, die Mittelschwäbischen Nachrichten, die unsere Öffentlichkeitsarbeit tatkräftig unterstützen. Dank aber auch an die Firma Druck und Verlag Busch, Inhaber Jörg Redl, Thannhausen, unseren Grundstücksnachbarn, dem Vereinslokal Sonnenhof, allen anderen Vereinen in Thannhausen, den Jagdpächtern und der Bevölkerung rund um unseren Modellflugplatz für ihr Verständnis für unseren Sport.